Medienförderung im digitalen Wandel

Dieser Beitrag ist erstmals in der Malmoe #77 erschienen:

Es knarrt und kracht in Österreichs Medienlandschaft. Die Welt ist im Umbruch, und in wenigen Bereichen hat dies so große Auswirkungen wie in der Medienbranche. Daher kann die Medienförderung nicht so bleiben,wie sie ist.

Die technischen Möglichkeiten und die gesellschaftliche Sicht auf sowie der Anspruch an Medien unterscheiden sich massiv von jenen vor 20 Jahren. Besonders die Digitalisierung hat die Branche umgekrempelt, in allen Belangen: Ob in der Text- oder Bildproduktion, die heute durch Handy, Laptop und Digitalkameras früher ungeahnte Schnelligkeit und Effizienz erlauben. Oder in den Kommunikations- und Recherchemöglichkeiten, in denen die Gesprächspartner stets nur einen Tweet weit weg, die Archive der Menschheit nur eine Googlesuche entfernt sind. Ob in Grafik, Layout und Satz, in der ganze Berufsgruppen verschwunden sind. Oder im Druck, der heute hochautomatisiert die Herstellungskosten von Printprodukten radikal gesenkt hat. Die danach mittels effizienter Logistikprozesse den Weg zu ihren LeserInnen finden. Und schließlich haben sich die Gewohnheiten der MedienkonsumentInnen geändert. Sie können heute jederzeit, an jedem Ort aus einer so unglaublichen Vielzahl an Medienkanälen auswählen wie noch nie zuvor.

Die legistischen Rahmenbedingungen wurden an all diese Umwälzungen nicht oder nur mangelhaft angepasst. Die Medienförderung und -gesetzgebung ist derzeit grundsätzlich in zwei Bereiche gespalten: In Rundfunk und Print. Die Gesetzgebung fokussiert und fördert in beiden Sparten gezielt klassische, physische Verbreitungskanäle: Wer seine Texte nicht auf Papier druckt, sondern nur ins Internet stellt, hat keine Chance auf Förderung. Wer interaktiven Datenjournalismus betreiben will und damit nun mal seine Inhalte im Internet verbreiten muss, zieht den Kürzeren gegen die klassische Tortengrafik in der Zeitung. Wer Förderungen für ein Radioprogramm beziehen will, muss dieses terrestrisch ausstrahlen, wer nur Onlinestreams anbietet oder On-Demand Plattformen betreibt, hat Pech. Selbst der „Digitalisierungsfonds“ der Rundfunkregulierungsbehörde schließt in seinen Richtlinien reine Onlineprojekte aus und fördert nur jene, die ebenfalls terrestrisch-digital (dazu zählt auch Digital-Kabel) senden. Die Fördermodelle im Printbereich unterstützen physische Druck- und Vertriebskosten, Geld für den Betrieb von Onlineportalen gibt es keines.

Die Diskrepanzen enden aber nicht in der Frage der technischen Verbreitungswege. Auch die inhaltlichen Kriterien sind unterschiedlich gesetzt: Die GIS Gebühren des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind an die Einhaltung des öffentlichen Auftrags geknüpft, dessen Definition naturgemäß eine schwierige und umkämpfte ist. Gleichzeitig sind die Subventionen an privat-kommerzielle und gemeinnützig-freie Medien aus EU-beihilfenrechtlichen Gründen nicht als Basissubventionen sondern contentorientiert geregelt – zumindest scheinbar. Denn tatsächlich gibt es, typisch Österreich, inoffizielle Schlüssel, die unabhängig der tatsächlichen Programmgestaltung jährlich zu ähnlichen Förderverteilungen führen. Und während das öffentliche Interesse an der Unterstützung von werbefreien, nichtkommerziellen freien Medien klar argumentiert werden kann, ist bei der ungleich größeren Subventionierung von privatkommerziellen Medienbetreibern oft zweifelhaft, ob die produzierten Inhalte tatsächlich den Qualitätsansprüchen und dem öffentlichen Interesse genügen.

Ob dossier.at, neuwal.com, cba.fro.at oder mimikama.com: In den letzten Jahren haben sich in Österreich allen Widrigkeiten zum Trotz viele neue journalistische Onlineprojekte gegründet. Oft inhaltlich innovativ, aber wirtschaftlich meist unrentabel. Eine zeitgemäße Medienförderung muss daher einen Weg finden, wie sie qualitative Medienprojekte unabhängig von ihrem technischen Verbreitungsweg fördern kann. Das schließt Onlineplattformen dezidiert ein, alles andere wäre im Jahr 2016 widersinnig. Dabei muss es möglich sein, nicht nur eine reine Contentförderung zu betreiben, sondern wo nötig auch den Basisbetrieb zu sichern. Denn viele Medienprojekte erfüllen neben der reinen journalistischen Arbeit auch weitere Aufgaben im öffentlichen Interesse: Bildungsangebote, beispielsweise in Bereich von Medienkompetenz oder Demokratieverständnis, Partizipation und Vernetzung von unterrepräsentierten Gruppen, wissenschaftliche Aufarbeitung, oder die zeitgeschichtliche Dokumentation. Solche Angebote können nicht über eine minuten- oder zeilenbasierte Contentförderung abgedeckt werden, brauchen aber politische Anerkennung und Unterstützung.

Als zentrales Problem bleibt dabei die Tatsache, dass „Qualität“ kein einfach abzugrenzendes Kriterium ist, sondern im Auge des Betrachters und hier des politischen Entscheiders liegt. Wer eine moderne Medienförderung einführen will, muss sich daher auch die Frage stellen, wie man den Prozess der Fördervergabe so gestaltet, dass er klar geregelt, transparent gestaltet ist und fair und professionell abläuft. Eine Möglichkeit wäre hierfür die Einsetzung von Beiräten oder Jurys. Ein Modell, dass im Kunst- und Kulturbereich, bei dem ebenfalls die Frage der Qualität ausschlaggebend ist, als eines der besten gilt – bei allen Schwächen. Ein solcher Beirat müsste angesichts der überschaubaren Größe des österreichischen Mediensektors unbedingt auch mit externen, unabhängigen ExpertInnen besetzt sein und regelmäßig ausgetauscht werden um mögliche Einflussnahmen zu verringern. Und ihm muss von der Politik ein klarer Auftrag gegeben werden, wie die gesellschaftlichen und inhaltlichen Ziele der Presseförderung aussehen.

Es ist klar, dass die Politik mit einem solchen Modell ein Stück direkten Einflusses auf die Medienförderung und damit die Medien selbst aufgeben muss – was angesichts der Inseratenkorruption und dem parteipolitischen Gerangel im ORF keine leichte Übung sein wird. Dennoch ist es aufgrund der hohen Relevanz der Medien für unser demokratisches System wichtig, auch die Medienförderung zumindest ein Stück weit demokratischer zu gestalten und sie der modernen, digitalen Welt anzupassen.

(Über) die Bande

Aktuell findet in Wien der erste Spaziergang der österreichischen Pegida-Bewegung statt. Wen man Twitter und die Liveticker der Medien verfolgt, kann man schon vor Ende der Demo erste Schlüsse ziehen:

Was Pegida Österreich ist

Pegida Österreich ist keine Massenbewegung, sondern der harte Kern einer rechtsextremen, nazistischen Szene:

Pegida Oesterreich Hitlergruss via @JChristandl

Hitlergrüße, via @JChristandl

Deutschlandfahnen

Deutschlandfahnen, via @msulzbacher

Hitlergrüße, Deutschlandfahnen, „Heil Hitler“-Rufe, Sprechchöre wie „Wer nicht hüpft, der ist ein Jude“: Die TeilnehmerInnen von Pegida Österreich zeigen ihre Gesinnung bewusst offen und stolz vor hunderten PolizistInnen und dutzenden VertreterInnen der Presse. Wer heute an diesem Spaziergang teilnimmt, kann wohl mit Fug und Recht als rechtsextrem eingestuft werden.

Anders als in Dresden, wo je nach Schätzungen zwischen 5.000 und 15.000 Personen auf der Straße waren, sind es in Wien aber gerade mal 300-500. Doch warum ist das so? Dazu gibt es zwei plausible Antworten: Erstens konnte die deutsche Pegida lange Zeit mehr oder weniger unbeobachtet wachsen, es dauerte einige Zeit, bis sich zivilgesellschaftlicher Widerstand artikulierte und organisierte. Die österreichische Öffentlichkeit war aus Deutschland vorgewarnt, die linken politischen Kräfte haben von Anfang an offen dagegen mobilisiert und heute etwa 5.000 Menschen auf die Straße gebracht. Das dürfte doch manche der möglichen Sympathisanten davon abgeschreckt haben, heute mitzumarschieren. Die zweite Erklärung lautet, dass jene Positionen, die Pegida in Deutschland vertritt, in Österreich schon lange im politischen Mainstream eine Heimat haben – eine Heimat namens FPÖ.

Wie die FPÖ mit PEGIDA umgehen wird

Da sich Pegida Österreich zu einer Zeit gründete, als die Bewegung in Deutschland nach einem Medienhype an ihrem Höhepunkt angelangte, war die erste Reaktion eine wohlmeinende: „Wir würden Pegida in Österreich unterstützen!“ (30.12.14, Strache in der TT)

Während im Dezember noch alles gut zu laufen schien, ging die FPÖ nach den ersten Krisen von Pegida sofort auf Distanz: „Ich brauche keine PEGIDA (dazu)“ (9.1..15). Es gab keine offene Empfehlung der FPÖ zur Teilnahme an der heutigen Pegida-Demo, in Beiträgen auf Straches FB Seite und unzensuriert.at wurde lediglich in einem halbwegs neutralen Ton auf die Veranstaltung hingewiesen:

Strache Facebook

Nachdem der Plan eines gemäßigten, ersten Auftritts von Pegida Österreich wohl ordentlich schief gegangen ist, kann man davon ausgehen, dass sich Strache in den nächsten Tagen öffentlich von der neuen Bewegung distanzieren wird. Er wird dies aber wohl nicht tun, weil er inhaltlich anderer Meinung ist. Im Gegenteil ist sowohl die zugrunde liegende Geisteshaltung als auch die konkrete inhaltliche Ausrichtung von FPÖ und Pegida deckungsgleich. Er wird sich distanzieren, weil auch die Mehrheit der eigenen potentiellen WählerInnenschaft von einer so extremen Gruppierung wie Pegida Österreich eher abgeschreckt ist. Ohne den strukturellen Support der FPÖ ist die Bewegung aber auf lange Sicht zum scheitern verurteilt.

Die rechtsextreme Szene wird in Österreich strukturell von der FPÖ erhalten. Ohne deren monetären Zuwendungen, die im Endeffekt von öffentlichen Förderungen stammen und einem Netzwerk, in dem sich besonders viele Rechtsanwälte tummeln, die bei Bedarf Neonazis kostenfrei vertreten, wäre die rechtsextreme Szene in Österreich viel schwächer. Ohne diesen Support kann Pegida Österreich auf Dauer kaum überleben, angesichts der offenen nazistischen Positionierung wird sich die FPÖ eine offene Unterstützung kaum leisten wollen. Sie wird aber dennoch weiterhin insgeheim mit ihr sympathisieren und sie mit Aufmerksamkeit wie in obigem Posting oder Symbolen und versteckten Botschaften hofieren. Pegida ist damit als weiterer, verlängerter Arm einer rechtsextremen und vielschichtigen Bewegung zu sehen, die in Österreich mittlerweile für ein Viertel der Bevölkerung konsensfähig geworden ist. Ob Pegida doch ein Erfolg wird, oder nicht, ist zweitrangig: Über sie kann die österreichische Rechte ihre politische Agenda über eine weitere Bande spielen.

Wie Restösterreich mit PEGIDA umgehen wird

Ohne Verbündete in Politik und Medien wird Pegida nach den heutigen Vorfällen in den nächsten Tagen wohl keine Gnade in der öffentlichen Meinungsbildung erwarten können, wie es sie in Deutschland wohl aufgrund der Überrumpelung und dem Druck der AfD durchaus bis heute gibt. Die Medien werden Pegida Österreich das nennen, was sie ist – eine neonazistische Bewegung. Die FPÖ wird daher auf Distanz gehen. Und die anderen Parteien, allen voran ÖVP und SPÖ, werden froh sein, dass es ihnen Pegida Österreich leicht gemacht hat, auch auf Distanz zu gehen. Denn während in Deutschland die VertreterInnen durch die mediale Unterstützung als ernstzunehmende DiskursteilnehmerInnen von CDU und sogar SPD wahrgenommen wurden, sind sie das in Österreich offensichtlich nicht.

Die öffentliche Meinung wird wohl bald den Konsens finden, dass Pegida keinen Platz in Österreich hat. Was grundsätzlich zu begrüßen ist, wirft aber die Frage auf: Wenn sich die FPÖ auch selbst zuschreibt, dass es in Österreich keine Pegida braucht, weil es ja die FPÖ gibt, wenn man also davon ausgehen kann, dass die Geisteshaltung und die politische Ausrichtung großteils deckungsgleich ist – müsste man dann nicht die selbe Schlussfolgerung zu Pegida wie zum Akademikerball in der Hofburg ziehen? Nämlich dass der Protest gegen die tanzenden Burschenschafter von letzten Freitag die selbe Legitimation haben sollte wie der gegen den heute stattfindenden Spaziergang der Pegida.

Man kann aber davon ausgehen, dass sich jene Medien und Parteien, die den antifaschistischen Protest gegen den WKR Ball in den letzten Wochen kriminalisiert, skandalisiert und mit völlig falschen Maßstäben gemessen haben sich nun auf der richtigen Seite wähnend voll gegen Pegida stellen werden. Und damit eine für österreichische typische Doppelmoral erkennen lassen werden: Nazis im T-Shirt sind abzulehnen, Nazis im Nadelstreif sind ernstzunehmen.

Ein persönlicher Jahresrückblick auf 2014

Jahresrückblick sind wahrscheinlich schon abgedroschen. Da ich aber nicht immer die Zeit finde, meine diversen Tätigkeiten und Projekte auf diesem Blog zu dokumentieren, schreibe ich hier ein paar Zeilen zu den letzten Monaten. Sowohl, um diese für mich selbst zu ordnen, als auch um mich bei all den tollen, kreativen Menschen bedanken zu können, mit denen ich jeden Tag arbeiten darf.

Tabakfabrik Linz

Prägend für mich ist natürlich nach wie vor meine Arbeit in der Tabakfabrik Linz, der ich einen Großteil meiner täglichen Arbeitszeit widme. Dort zeichne ich mich seit mittlerweile drei Jahren leitend für die Kommunikation zuständig, habe an der allgemeinen Konzeption und Ausrichtung mitgewirkt und wickle Kooperationsprojekte ab. Im Mai haben wir beispielsweise eine wunderschöne neue Website online gestellt (www.tabakfabrik-linz.at), gestaltet von dem grandiosen Grafik Guru Michael Holzer und umgesetzt vom Code-Genie Bene Reiter. Die Inhalte kamen und kommen von der Jetsetliteratin Marianne Jungmaier und Nina Fuchs, die seit Jahresanfang auch die Pressearbeit professionell und gelungen abwickelt. Generell stehen wir konstant im Schnitt bei etwa 80-90 Presseberichten pro Monat und etwa 30-40.000 Views auf unserer Website und in den sozialen Medien, eine Reichweite, mit der ich glaube ich zufrieden sein kann. Darüber hinaus sind viele tolle Projekte und Kooperationen in der Fabrik entstanden, zuviele um alle aufzuzählen. Und das schöne ist, es bleibt spannend, denn wir haben erfreulicherweise im November grünes Licht vom Linzer Gemeinderat bekommen, dass wir den nächsten Entwicklungsschritt im Bau 1 umsetzen können. Yeah!

Burschitour

Zum zweiten Mal habe ich im Jänner einen Aktionstag zur Linzer Burschenschafterszene organisiert. Währen wir bei der ersten Burschitour noch zu Fuß unterwegs waren, haben wir diesmal einen großen Reisebus organisiert, mit dem wir nach einem spannenden Vortrag eines Rechtsextremismus-Experten ein paar der Linzer Buden besucht haben.

2. Linzer Burschitour 1

Übrigens: Die nächste Demo gegen den Linzer Burschenschaftsball findet am 10. Jänner 2015 statt – hingehen!

Stadtkulturbeirat Linz

Seit 2010 bin ich Mitglied des Linzer Stadtkulturbeirats, seit Beginn dieses Jahres auch dessen Vorsitzender. Der von der Stadt offiziell bestellte und ehrenamtliche Beirat besteht aus 24 Kunst- und KulturexpertInnen und tagt derzeit zweimal jährlich im Plenum. Die Arbeit besteht üblicherweise aus dem Verfassen von kulturpolitischen Empfehlungen an die Linzer Stadtpolitik, teilweise mischt er sich auch ins Tagesgeschäft ein, wie bei der heuer leider erfolgten Kürzung der Förderungen der freien Szene. Das nächste Empfehlungspapier wird übrigens im Februar präsentiert, ich werde es auch hier im Blog verlinken.

Bettellobby OÖ

Vor auch schon wieder vier Jahren war ich einer der Mitinitiatoren der Bettellobby OÖ, die sich in den politischen Diskurs rund um Armut, Migration und Verteilungsfragen einmischt. Anlass war damals die erste geplante Verschärfung der Bettelgesetzgebung, in denen „aggressives“, „aufdringliches“ und „organisiertes“ Betteln verboten werden sollten. Trotz eines durchaus breiten zivilgesellschaftlichen Protestes wurde die Gesetzgebung damals verschärft. Dass auch die sozialdemokratische Partei heuer im Mai nach einer heftigen Kampagne der Krone OÖ (diese hatte innert 9 Tage 8 hetzerische Aufmacher gegen BettlerInnen auf dem Cover und wurde dafür später auch vom Presserat gerügt) ihre bisherige Position fallen ließ und nun sogar selbst auf weitere Verschärfungen im Bettelgesetz drängte, war für mich und viele andere Linke ein Schock, der bis heute anhält. Durch die Novelle wurde schließlich trotz heftiger Protesten mit Stimmen der SPÖ, ÖVP und FPÖ das „gewerbliche“ Betteln in Oberösterreich untersagt. Durch die Schwammigkeit der Begrifflichkeiten all dieser Strafbestände steigt die Missbrauchsgefahr und leider auch -häufigkeit durch Stadtwache und Polizei weiter, viele Berichte von betroffenen BettlerInnen bestätigten die Befürchtungen der Bettelobby. Die jahrelange Aufbauarbeit der rechten Parteien in Kombination (oder Kooperation?) mit den medialen Hetzkampagnen des Boulevards hat ein Klima der Angst und Verunsicherung erzeugt, in dem es die Position, dass soziale Probleme wie Armut nur mit sozialen Lösungen behoben werden können, sich nur schwer Gehör verschaffen kann. Wie gesagt: Dass sogar die Sozial(!)demokratie nun die armen Menschen aus dem öffentlichen Raum verdrängen will, ist ein trauriges Zeichen für eine breit-entsolidarisierte Gesellschaft.

Verleihung-Menschenrechtspreis-2014-Bettellobby_Foto-Daniel-Weber-03-764x1024Umso erfreulicher, dass die Liga für Menschenrechte die österreichischen Bettellobbys heuer mit dem Menschenrechtspreis 2014 ausgezeichnet hat. Ich habe den Preis mit Christian Diabl (einer der großartigsten Menschen zum Diskutieren über Politik übrigens!) in Wien entgegengenommen, einen sehenswerten Bericht gibt es dazu in der ZIB2:

Cultural Broadcasting Archive

Heuer war ein spannendes Jahr für das CBA: Derzeit führen wir ein gefördertes EU-Projekt gemeinsam mit Radio Corax aus Deutschland, NearFM Media aus Irland und der Central European University durch, was viel Reisen und Austausch bedeutet. Und ausgetauscht wurde auch fleissig bei der zum zweiten Mal veranstalteten internationelen Konferenz Archivia, bei der viele spannende Vortragende aus ganz Europa teilnahmen. Weiters hat der VFRÖ, der Träger des CBA, heuer im Sommer Verträge mit den Verwertungsgesellschaften abschließen können, was nun heißt, dass auch Musik in den archivierten Beiträgen enthalten sein kann. Ein großer Erfolg für ein so kleines Projekt wie das CBA, da es im Gegensatz zum analogen Rundfunk im digitalen Raum keine Lizenzpflicht der Verwertungsgesellschaften gibt. Wir haben im Übrigen etwa fünf Jahre auf diesen Punkt hingearbeitet und einiges an Lobbying leisten müssen. Und hier liegt auch noch einiges an Arbeit vor uns, denn noch immer ist das UrheberInnenrechtssystem groso Modo nicht den Erfordernissen der modernen Zeit angepasst. Allerdings wird es in Zukunft wohl noch stärker als bisher um die Vernetzung auf europäischer Ebene gehen – es bleibt also spannend.

Achja, und an dieser Stelle ein großer Dank an Ingo Leindecker, mit dem ich seit 2007 an diesem großartigen Projekt arbeiten darf (und der übrigens ein ziemlich tolles Werk produziert hat, das ihr euch kaufen solltet!)

Kulturpolitisches

Abgesehen von meiner Arbeit für den SKB habe ich noch Beiträge für die KUPF Zeitung geschrieben (ein Text zu Linz09 und ein Interview mit Kulturmanager Ulrich Fuchs), einen Text des Linzer Kulturdirektors Julius Stieber veröffentlicht, an Kultur-Diskussionen beispielsweise in St. Pölten teilgenommen  oder eine Tour durch die freie Szene mit dem neuen Kulturreferenten Bernhard Baier Baier organisiert. Aja, und ich darf im Verwaltungsausschuss von Radio FRO meinen Senf zu den zukünftigen Wegen des freien Radios dazugeben, eine ehrenvolle und spannende Arbeit mit lauter hochmotivierten Menschen, die sich für dieses wichtige alternative Medienprojekt ins Zeug hauen. Weiters habe ich auch das Projekt Intermezzo von MAIZ begleiten dürfen – da ich euch und ihnen noch immer einen Abschlusstext dazu schuldig bin, verweise ich wegen Details auf diesen. Kommt bald, versprochen!

Schließlich …

… gilt mein Dank den vielen freundlichen, offenen, kreativen, hilfsbereiten Menschen in meinem Umfeld und Netzwerken, mit denen ich zusammen lebe, arbeite, streite, feiere, trauere und diskutiere. Und natürlich geht ein besonderer Fistbump an eine Person im Speziellen, deren scharfsinnigen Geist ich nicht mehr missen möchte  – du weißt, wen ich meine.

Also, ich hoffe, wir bleiben uns auch 2015 erhalten!

Archivia 2012

Ich darf euch, liebe LeserInnen, hiermit auf die Konferenz Archivia 2012 aufmerksam machen, deren inhaltliche Konzeption ich mit-verantworte und die einen wichtigen Puzzlestein im Rahmen meiner politischen Arbeit für das Cultural Broadcasting Archive darstellt.

Bei der Konferenz geht es um die zentrale Frage, wie wir mit dem umgehen dürfen und können, was wir täglich in unserer kulturellen Praxis produzieren. Es geht also darum, nach welchen Regeln wir Wissen erzeugen, archivieren und wieder weitergeben. Diese Regeln werden heute maßgeblich durch das UrheberInnenrecht bestimmt – dieses ist aber wie viele von euch aus eigener Erfahrung wissen, den Herausforderungen der heutigen Zeit nicht mehr gewachsen. Wir müssen uns überlegen, wie wir einerseits den ErzeugerInnen kultureller Werke eine angemesse Entschädigung für ihre Arbeit zukommen lassen können, ohne andererseits den ureigensten Drang des Menschen, Wissen zu teilen, einzuschränken. Das Internet ermöglicht uns heute, jederzeit auf das größte Wissensarchiv zuzugreifen, das die Menschheit jemals geschaffen hat – da war die Bibliothek von Alexandria ein Lercherlschas dagegen. Der Zugang zu Wissen ist nicht nur eine elementare Voraussetzung, um an unserer heutigen Gesellschaft teilhaben zu können, er ist auch ein Grundstein der modernen Demokratie. Daher müssen wir dafür kämpfen, dass die kommende Überarbeitung des Urheberrechts nicht im Sinne der Verwertungs-Konzerne ausfällt, die beständig Partei ergreifen für Restriktionen, Zensur und Kriminalisierung. Wir müssen dafür kämpfen, dass ein modernes Urheberrecht allen Menschen dienlich ist und einen fairen Interessenausgleich zwischen allen Beteiligten schaffen. Wir müssen dafür kämpfen, dass der Zugang zu Wissen erleichtert wird und nicht mehr und mehr eingeschränkt wird. Denn dadurch kämpfen wir für eine offenere und fairere Gesellschaft, in der alle von dem Wissen profitieren können, das die Menschheit seit Jahrtausenden produziert.

Dafür brauchen wir auch eure Unterstützung. Es würde mich daher freuen, wenn ihr zur sicher interessanten Konferenz kommt. Mehr Infos findet ihr weiter unten und unter archivia.at

ARCHIVIA Konferenz zur Bedeutung offener Archive

Welche Funktion haben offene digitale Archive in der Wissensgesellschaft? Dieser Frage gehen im Rahmen der Konferenz ARCHIVIA am 31.8. und 1.9. in Linz ExpertInnen aus den Bereichen Ökonomie, Medien- und Rechtswissenschaft und VertreterInnen aus Zivilgesellschaft, Politik und von Archivprojekten nach. In einer Reihe von Workshops sollen auf Basis aktueller „Best Practices“ Perspektiven und Positionen für den freien Zugang zu Inhalten und Archiven im Internet entwickelt werden.

Keynote Speeches
Der Mediensoziologe Manfred Fassler von der Universität Frankfurt thematisiert unter dem Titel “Archivieren ist nicht gleich Wissen. Oder: Wissen ist kein Geschenk eines Automaten” den Wandel der Wissenskulturen und –infrastrukturen. Die Ökonomin Ruth Towse (Universität Bournemouth) konzentriert sich in ihrem Beitrag “Economics of copyright and archiving” auf mögliche Ineffizienzen und wohlfahrtsökonomische Probleme, die durch das Urheberrecht ausgelöst werden. Der Jurist Till Kreutzer von i.e., dem Büro für informationsrechtliche Expertise in Berlin, spricht über Möglichkeiten der Balance zwischen urheberrechtlichen Schutzansprüchen und dem Recht auf freie Meinungsäußerung im Netz – insbesondere im Kontext der Archivierung und Zugänglichmachung von Rundfunksendungen der Freien Community Radios und der Öffentlich Rechtlichen.

Panel Diskussion
In einer Panel Diskussion werden politische Ansätze einer zufriedenstellenden Verwertungslösung für offene nicht-kommerzielle Medienarchive diskutiert. Dabei wird auch der Frage nachgegangen, wie ein öffentlicher Auftrag für die digitale Archivierung des kulturellen Erbes formuliert sein könnte.

TeilnehmerInnen: Johannes Jarolim, Nationalrat und Justizsprecher der SPÖ – angefragt, Karlheinz Kopf, Klubobmann und Mediensprecher der ÖVP – angfragt, Eva Lichtenberger, MEP (Die Grünen Österreich), Erich König, Österreichische Rundfunk und Telekom Regulierungs GmbH (RTR), Peter Ploteny, Österreichische Mediathek Eric Kluitenberg, Images for the Future, Niederlande – angefragt, Friederike Maier, CMFE Community Media Forum Europe und Robert Suchar, Geschäftsführer des Verbands Freier Radios Österreich (VFRÖ). Moderation: Ina Zwerger (ORF)

Workshops
Im Rahmen von „Best Practice“-Präsentationen werden Archivprojekte vorgestellt: Welche Modelle funktionieren? Wo stoßen sie an ihre Grenzen? Was muss sich ändern? Im Workshop „Offene Archive fordern!“ werden politische Forderungen der Archivprojekte gesammelt und diskutiert. Sie münden in eine gemeinsame Erklärung. Der Workshop „Future Archives“ stellt die Frage, wie offene und lebendige Archive in 10 oder 20 Jahren aussehen. Zwei „Open Spaces“ werden für kurzfristige Sessions vergeben. Bei Interesse kontaktieren Sie uns unter office@archivia.at.

Jetzt anmelden!
Die ARCHIVIA bittet um Anmeldung bis 26. August 2012. Die Teilnahme ist kostenfrei. Entweder Mail an register@archivia.at oder Zusage bei Facebook-Veranstaltung (Archivia Konferenz 31.8./1.9.). Die Veranstalter freuen sich auf Ihr Kommen! Das Programm der ARCHIVIA unter http://www.archivia.at/programm

ARCHIVIA Konferenz beim ARS Electronica Festival 2012
An Lösungsansätzen, das Urheberrecht an die Anforderungen des Internets anzupassen, arbeiten die OrganisatorInnen der Konferenz ARCHIVIA, die am 31. August und 1. September im Linzer Wissensturm stattfindet. Der Verband Freier Radios Österreich (VFRÖ) und Radio FRO plädieren in ihrem Beitrag zum ARS Electronica Festival für die Öffnung von digitalen Archiven, die in unserer Wissensgesellschaft für eine globale Öffentlichkeit zugänglich sein könnten. Derzeit verhindern das rechtliche Hürden.

Organisation:
Veranstalter: Verband der Freien Radios Österreich, Radio FRO 105,0 MHz
Kooperationspartner: Ars Electronica Festival, Wissensturm Linz (VHS, Medienwerkstatt), Creative Commons Austria hosted by ALLMENDA Gemeinwohl Genossenschaft
Medienpartner: dorf tv, Radio FRO
Fördergeber: Stadt Linz, Land OÖ, RTR-GmbH
Web Host: servus.at

Mehr Information:
www.archivia.at
Facebook Group: ARCHIVIA Konferenz / Twitter Hashtag: #archivia12

Anzeige gegen Detlef Wimmer wegen unlauterer Werbung

Heute hat das Sicherheitsressort der Stadt Linz, angeführt von FPÖ-Rechtsaußen Detlef Wimmer, einen Sicherheitsratgeber 2012 herausgegeben, und lässt ihn an den BürgerInnenservicestellen verteilen. Da steht viel harmloses drin (Brandschutztipps), viel doofes („Das Internet ist grundsätzlich nicht gefährlich!“), viel sexistisches (Frauen sollen in der Nacht nur mit dem Auto heimfahren), ein bisserl was über die Stadtwache („… geben Touristen Auskunft, wie sie auf den Pöstlingberg kommen“… – wow!) und im ganzen ist sie zugepflastert mit Werbung. Da geht natürlich vieles Hand in Hand – es wird Angst geschürt – „Trauen sie keinem Fremden!“ und passend auf der anderen Seite Werbung für Sicherheitsschlösser gemacht.

Aber eine Werbung ist so dreist, dass ich sie zur Anzeige gebracht habe. Auf Seite 28 und 29 ist eine Werbung der Firma EVVA Sicherheitstechnologie GmbH zu sehen, die sowohl grafisch, als auch textlich der restlichen Broschüre bis aufs Haar gleicht. Der einzige eindeutige Hinweis auf Werbung ist rechts oben mit dem kleinen Verweis „PR“ zu sehen, der allerdings gemäß §26 des Mediengesetzes nicht zulässig ist. Laut diesem Paragraphen muss jede Werbung explizit entweder mit den Worten „Anzeige“, „entgeltliche Einschaltung“ oder „Werbung“ gekennzeichnet sein. Die Ausschlussklausel ist in diesem Fall nicht anwendbar, da die Broschüre als offizielles Printprodukt der Stadt Linz eindeutig als Informations- und nicht als Werbemaßnahme zu sehen ist.

Seite 28 und 29 - die Werbung

Und als Vergleich eine andere Doppelseite mit redaktionellem Inhalt:

Seite 16 und 17 - Redaktioneller Inhalt

Was meint ihr? Ist das irreführende Werbung, oder nicht?

Für mich schon, daher hab ich gerade folgende Anzeige weggeschickt:

Irgendjemand muss ja für Ordnung und Sauberkeit sorgen, in dieser Stadt.

Nachtrag 16:26 Uhr: Nach einem Hinweis von Severin Mayr bin ich im Brief noch auf den Begriff „periodisches Medium“ eingegangen. Die Definition wird laut § 1 durch die Veröffentlichung auf der FPÖ Linz Homepage erfüllt. Zur Beweismittelsicherung hier noch ein Screenshot:


Medienstadt Linz, Marke oder Wirklichkeit?

Letzten Mittwoch gabs eine feine Diskussionsrunde auf Dorf.TV zum Thema „Medienstadt Linz?“. Das erste Mal war ich nicht als Diskutant, sondern als Moderator tätig, eine durchaus spannende Angelegenheit und interessante Erfahrung. Und ganz ehrlich, ich war ganz schön nervös =). Die Diskussion war durchwegs spannend, einen Mitschnitt findet ihr im Archiv von Dorf TV.

Begonnen haben wir mit einer kurzen eingehenden Reflektion zur Frage, wie es denn um den Zustand der lokalen Medienszene bestellt ist, und ob die Stadt Linz ihrem im ersten KEP definierten Anspruch, einen Schwerpunkt auf Neue Medien und freie Szene (und damit natürlich frei Medien) zu setzen, gerecht geworden ist. Fazit: Jein. Während die Ars als Leuchtturmprojekt sich durchaus weiter etablieren konnte, hat sich die freie Medienszene eher aus eigenem Antrieb heraus entwickelt und sich den Stand erkämpft, den sie heute hat. Weiters haben wir natürlich über die Relevanz von Medienprojekten in einer Zeit gesprochen, in der jede/r mit Leichtigkeit selbst sein eigenes Medium gründen kann. Denn dadurch, dass Medien ihre Übertragungs-Exklusivität verlieren, werden sie mehr und mehr zu sozialen Bewegungen und Plattformen. Und natürlich war es eine große Frage, wie die Open Commons Region sich im Kunst- und Kulturkontext wird etablieren können, und welche politischen Implikationen die Devise Open Everything beherbergt.

Meine Frage, ob sich freie Kulturszene mit ihrer Konzentration auf den Aufbau der eigenen Medien nicht selbst aus den Massenmedien gedrängt hat und damit einher auch der Verlust des kulturpolitischen Diskurses in den letzten beiden Jahrzehnten ging, konnte nicht eindeutig beantwortet werden. Sieht man die Zivilgesellschaft als gegenkulturelle Bewegung, die das jetzt herschende System einmal überwindet, ist das vielleicht eine klassische Transformations-Schwäche, die wir allerdings zu wenig reflektieren, wie es scheint.

Linz hat das Potential eine Medienstadt zu sein, keine Frage – Wenn der politische Wille das auch wirklich will, und wenn es dafür auch die passenden Budgets gibt. Daher nochmal meine Anregung: Das Land Oberösterreich ist eines von zwei Bundesländern, dass keine Landesabgabe auf die ORF-Gebühr aufschlägt. Würde man die Gebühr von 16 € um 3% auf 16,50 € erhöhen, könnte man mit zweckgebundenen 3,6 Millionen € einen echten Fortschritt in der Entwicklung der freien Medienszene Oberösterreichs erzielen.

Danke nochmal an die DiskutantInnen Ushi Reiter, Thomas Kreiseder, Daniel Friesenecker, Stefan Pawel und Andrea Mayer-Edoloeyi, letztere hat auch dazu passend einen Beitrag in ihrem lesenswerten Blog veröffentlicht.

Kartell-TV #3: Medienstadt Linz?

Morgen, am 16.11.11 um 20:00 Uhr moderiere ich eine Diskussionrunde auf Dorf TV zur Frage, wie es um die Medienstadt Linz bestellt ist. Anlässe um sich diese Frage zu stellen, gibt es viele. Das Szene-Magazin Spotsz wurde 2010 mangels finanzieller und politischer Unterstützung eingestellt, jüngst musste die Linzer KAPU ihre KAPUzine aus Budgetnot einstellen, die Medieninitiative junQ.at wird seit Beginn an mit Kleinstbeträgen abgespeist. Auf der anderen Seite gibt es mit Dorf TV in Linz eine der wenigen freien Fernsehstationen Österreichs und das freie Radio FRO ist eines der aktivsten in der Radioszene und Vernetzungsknoten der Linzer Zivilgesellschaft. Und auch beim KEP-Workshop am nächsten Tag wird es eine Arbeitsgruppe zum Thema Medien, Open Source und Open Commons geben.

Die DiskutantInnen vertreten verschiedene Medienbereiche und Ansätze, ihnen allen gemein ist eine langjährige Praxis-Erfahrung. Die Medienkünstlerin und servus.at-Geschäftsführerin Ushi Reiter ist als kritische Begleiterin der neuen Medienwelt bekannt,  Andrea Mayer-Edoloeyi hat sich als Bloggerin und Socialmedia Expertin einen Namen gemacht. Thomas Kreiseder setzt sich seit vielen Jahren für Radio FRO ein, für eine jüngere Initiative sitzt Daniel Friesenecker von junQ.at am Podium. Und Stefan Pawel von der Open Commons Region Linz werde ich fragen, wie die Medienszene von den Open Everything Ansätzen profitieren kann.

Hier noch die offizielle Sendungsbeschreibung: Weiterlesen