Vier gute Gründe um morgen Österreich zu besetzen!

Einen Monat nach dem Beginn von Occupy Wall Street, der größten antikapitalistischen Initiative in der Geschichte der Vereinigten Staaten, hat die Protestwelle die ganze Welt erfasst. In mehr als 900 Städten in 80 Staaten sind für den morgigen Tag, den 15. Oktober 2011, Kundgebungen angesetzt, darunter auch sechs Städte Österreichs – mehr dazu auf der Facebook-Gruppe Occupy Austria.

Häufigster Kritikpunkt der politischen BeobachterInnen und der Medien an der Bewegung ist ihre unklare Zielsetzung. Allerdings zeugt dies mehr von dem Unwillen, sich konkret mit den Anliegen der Protestierenden auseinanderzusetzen. Denn sieht man sich die vielen bunten Schilder und Tafeln an, so erkennt man schnell viel Altbekanntes: Die Forderung nach mehr, und vor allem nach echter Demokratie. Das Ende des kapitalistischen Systems, eine Neuorientierung der Gesellschaft weg von ökonomischen, hin zu humanistischen Zielsetzungen. Und vor allem eine Neuverteilung des gesellschaftlichen Reichtums, die sich besonders in der klassenkämpferischen Ansage „We are the 99% – you are the 1%“ ausdrückt.

 

 

 

Doch warum soll das uns in Österreich überhaupt kümmern? Sind wir nicht noch immer eines der reichsten Länder der Welt? Haben wir nicht noch immer einen der besten Lebensstandards der Welt? Was spricht dafür, morgen an den Kundgebungen teilzunehmen? Versuchen wir dafür Gründe zu finden:

1. Aus Solidarität!

Österreich eines der lebenswertesten Länder der Welt, weil wir direkt und indirekt von der massiven Ungleichverteilung des weltweiten Reichtums profitieren. Unsere Banken-Konzerne sind weltweit engagiert, besonders die ehemaligen Ostblock-Ländern werden massiv von ihnen ausgebeutet. Unsere Kleidung, unsere technischen Spielereien wie Handys und MP3-Player werden zu Billigstlöhnen und teilweise von Kindern in Asien und in der dritten Welt gefertigt. Auch wer in Österreich nicht zu den Top-1% gehört, dank des kapitalistischen Systems ist jede/r von uns zumindest in den Top-5% der Welt.

Wir müssen nicht nur für eine Umverteilung zwischen den Reichen und Armen Österreichs kämpfen. Um glaubhalt zu bleiben müssen wir uns für eine globale Neuverteilung des Reichtums einsetzen!

Verteilung des weltweiten Reichtums

2. Um zu inspirieren!

Die größte Kraft schöpft das kapitalistische System aus seiner angeblichen Alternativlosigkeit. Seit es sich nach dem Niedergang der Sowjetunion als Sieger gekürt hat, hat der Kapitalismus einen gehörigen Zahn zugelegt, seine GegnerInnen an die Wand gedränkt und sich in jeden Bereich unseres Lebens vorgekämpft.

Doch es ist eine Lüge, dass es keine Alternative zu dem herrschenden System gibt. Unser gesellschaftliches System wurde von uns Menschen erdacht und erbaut, und kann von uns Menschen umgeworfen werden. Und nur, weil es noch keine allumfassende Antwort gibt, wie diese Alternative aussieht, so ist sie nicht in weiter Ferne. Immer mehr Menschen versuchen alternative Wege zu finden, unsere Gemeinschaft, unsere Gesellschaft mit demokratischen Mitteln zu organisieren. Die Puzzelsteine liegen vor uns, wir müssen nur damit anfangen, sie zusammen zu setzen! Widerstand gegen das System heißt zu zeigen, dass wir bereit sind, über Alternative nachzudenken und neue Wege zu gehen. Wir müssen jene Menschen inspirieren, die von den Angstparolen des Systems in die Lohnarbeit gedrängt werden, die aus Angst um ihr Leben, um ihre Familie jenes System unterstützen, dass sie ausbeutet. Wir müssen jene, welche den Lügen des Kapitalismus Glauben schenken, inspirieren, dass sich über die Hintergründe ihres Systems informieren. Wir müssen Alternativen vorzeigen, vorleben und die Menschen in unserem Umfeld mitnehmen auf den Kampf gegen den Kapitalismus, bevor er uns besiegt.

3. Um zu überleben!

Denn ob Erderwärmung, ob nukleare Katastrophen, ob Tankerunfälle: Wenn alles dem Streben nach Profit untergeordnet wird, so ist auch unsere Erde in Gefahr. Und da es nicht danach aussieht, als würde die Menschheit bald die Erde verlassen können um neue Sternensysteme zu besiedeln, müssen wir den Kapitalismus besiegen bevor er unsere Erde besiegt! Denn Katastrophen sind nicht unausweichlich. Klar, es gibt niemals hunderprozentige Sicherheit, aber der Großteil der menschlich ausgelösten Katastrophen war nicht unabwendbar sondern schlicht dem Sparen an der falschen Stelle geschuldet. Und dass im Kapitalismus meistens nicht jene für die Schäden bezahlen, die sie angerichtet haben, wissen wir spätestens seit Fukushima, Bhopal oder Deepwater!

Wer morgen gegen das Finanzsystem protestiert, kämpft damit auch für ein nachhaltig-orientieres Wirtschaftssystem, dass den Menschen und seine Umwelt vor die Interessen der Industrie und des Geldes stellt!

4. Aus Spaß an der Freude!

Protestmaßnahmen haben oft den Ruf, nicht der aufregendste Zeitvertreib zu sein. Doch das Protest lustvoll sein kann, haben nicht erst die Protest-Clowns bewiesen. Ob künstlerische Beiträge, kreatives Schildermalen, spontane Livekonzerte oder Memes, seid kreativ! Verkleidet euch, bastelt Flyer oder zeichnet Schilder mit euren Forderungen für eine bessere und gerechtere Welt!

Wir sehen uns morgen um 13:00 Uhr am Linzer Taubenmarkt!

Und für die Nicht-LinzerInnen:

09 Uhr Steyr Innenstadt
11 Uhr Graz Südtirolerplatz
11 Uhr Salzburg Nationalbank
12 Uhr Wien Heldenplatz
13 Uhr Linz Taubenmarkt
13 Uhr Innsbruck Annasäule
14 Uhr Graz Mariahilferplatz
15 Uhr Wien Westbahnhof
19 Uhr Salzburg Residenzplatz
19 Uhr Wien Ballhausplatz

Netztrip #1

In dieser Rubrik gibts in Zukunft Links zu interessanten Texten, Bildern und Videos.

1. „Viele wollen Wählern nicht reinen Wein einschenken“

Der ehemalige deutsche Finanzminister Peer Steinbrück zur Situation Griechenlands und die fehlende Europavision der politischen Führung Europas. Und er zieht die richtigen Schlüsse, wenn er eine Erneuerung der politischen Kommunikation und Öffnung der traditionellen Parteien fordert.

2. „Die Banken beißen die Hand, die sie füttert“

Einer der schärfsten Denker und Politiker unserer Zeit, Oskar Lafontaine, analysiert messerscharf die Ursachen für die europäische Staatsschuldenkrise. Und er formuliert auch Vorschläge um die Krise zu beenden: Die Besteuerung der europäischen Millionäre, deren gesamtes Finanzvermögen von 7,5 Billionen € einer Gesamtverschuldung von 10,0 Billionen € der EU-Staaten gegenübersteht, die Regulierung des Finanzsektors und eine massive Anhebung der Löhne. Unterschrieben!

3. 7 ultimative Tipps für Journalisten, damit Sie auch morgen noch einen Job haben

Dass Journalismus mehr sein muss als Copy&Paste fordert der deutsche Journalist Richard Gutjahr von seinen KollegInnen und gibt Einblick in seine Arbeitsweise

4. Ausgebeutet für das iPhone 4S – Wie Apple in China produzieren lässt

VIDEO – Wachrüttelnde Kurzdoku über die Arbeitsbedingungen in den chinesischen Apple-Fabriken – die sich zwar nicht unterscheiden werden von denen anderer Handyhersteller, aber so gar nicht zu dem feel-good Image des Konzerns passen.

5. Adbusting – Spraydose gegen Konsum

VIDEO – 3.000 Werbebotschaften prasseln Tag für Tag auf uns ein, die Gegenbewegung der Adbusters schlägt zurück. Wer noch nie davon gehört hat, dieses Video gibt einen guten Einblick in die Motivation der Adbusters.

6. Comic des Tages: Antics – A comic about things happening
Humor vom feinsten, wöchentliche Updates, große Empfehlung!

Um 4:00 Uhr Morgens kommt in Linz das Betthupferl

Feiern bis in die Morgenstunden? Foto von Wolfgang Sterneck

Feiern bis in die Morgenstunden? Nicht in Linz! Foto von Wolfgang Sterneck

Seit September dürfen Wiener Veranstaltungshäuser und Clubs bis 6:00 Uhr Morgens offen halten, bis dahin war um 4:00 Uhr Morgens Schluß. Eine Regelung, die besonders in der elektronischen Musikszene begrüßt wird. Beispielsweise das Wiener Flex hatte unter der frühen Sperrstunde gelitten, die von einer machtbesessenen Wiener ÖVP-Lokalpolitikerin namens Ursula Stenzel benutzt wurde, um gegen die ihr unliebsame Einrichtung zu kämpfen. Typisch Österreich, möchte man sagen, denn BesucherInnen aus Deutschland wundern sich oft über die scharf exekutierten Sperrstunden. Diese wurden in Berlin zur Wahrung des kulturellen Lebens nämlich schon 1945 abgeschafft und sind mittlerweile in den meisten deutschen Bundesländern Geschichte. Auch in Frankreich beginnt die Sperrstunde erst um 7:00 Uhr, selbst das für seine Mitternachtssperrstunde berüchtigte Großbritannien hat seine Gesetze liberalisiert und die Sperrstunde de Fakto abgeschafft.

Wie sieht das also in Linz aus? Die Sperrstunde wird duch die Oberösterreichische Sperrstundenverordnung aus dem Jahr 2002 geregelt. Spätestens um 04:00 Uhr ist für alle Schluß, einzige eine Sonderbewilligung durch den Bürgermeister kann die Sperrstunde aufschieben. Für eine Kulturstadt ein Armutszeugnis, denke ich mir, und stelle an alle Linzer Parteien folgende Fragen:

1) In Wien dürfen Diskotheken, Clubs und Clubbing-Lounges in Zukunft bis 6:00 Uhr offen halten, in Linz nur bis 4:00 Uhr. Ist auch in Linz an eine Anpassung der Sperrstunde gedacht?

2) Wird sich ihre Partei für eine Anpassung der Sperrstunde nach Wiener Vorbild einsetzen?

Hier die Antworten:

Severin Mayr, Grüne Linz:

1) Es handelt sich bei der Sperrstundenregelung um eine Verordnung des Landeshauptmanns in mittelbarer Bundesverwaltung, die wegen des sachlichen Zusammenhanges an ein Mitglied der Landesregierung (in Fall der letzten Novelle 2006 an den Wirtschaftslandesrat) delegiert wurde. Diese Verordnung der mittelbaren Bundesverwaltung kommen nicht in die Landesregierung oder in den Landtag. Die Verordnung gilt dann natürlich auch für Linz und kann für Linz auch nur geändert werden, wenn der Wirtschaftslandesrat eine neue Verordnung erlässt. Das ist mWn aktuell nicht der Fall (vor allem weil die aktuelle Verordnung erst im Jahr 2006 entstanden ist). Ausnahmeregelungen können jedoch in Einzelfällen von der BürgermeisterIn erlassen werden!

2) Wir haben schon 2006 gesagt, dass wir die Verkürzung der Sperrzeiten durch den zuständigen Landesrat für einen Fehler halten. Es war auch schon zuvor so, dass Sperrzeiten durch den Bürgermeister verändert werden konnten, wenn es zu Problemen kam.

Gerlinde Grünn, KPÖ Linz:

Bis dato gingen meinen Recherchen nach sperrstunden Veränderungswünsche in Linz immer von den WirtInnen aus – zumeist ging es um die Öffnungszeiten für Gastgärten und daraus resultierenden Interessenskonflikten Wirt-Gäste-AnrainerInnen.

Veränderungswünsche von seiten von kommerziellen Diskotheken- und Clubbingbetreiberinnen bezüglich der hier geltenden Sperrstundenregelung sind mir nicht bekannt, wirds aber vermutlich geben, denn je länger die Öffnungszeit desto größer der reibach.

Wie es auf seiten der Kulturinitiativen, die ja auch VeranstalterInnen sind, ausschaut muss ich erst in Erfahrung bringen. Eins ist jedenfalls klar, das Partyvolk geht erfahrungsgemäß dann heim, wenn die Musi aus ist, ob es nun 4 oder 6 Uhr Früh ist.

Die Interessen kommerzieller Betreiberinnen nach Ausweitung der Öffnungszeiten sind nicht mein Anliegen, sollte aber von seiten der Kulturinitiativen hier spezifische Interessen bestehen (Ausnahmeregelungen) kann ich mir eine Unterstützung für diese durchaus vorstellen.

Erika Rockenschaub, SPÖ Linz:

Bei uns sind die Sperrstunden durch eine Verordnung des Landeshauptmannes geregelt (und nur der kann sie auch ändern). In Linz kann der Bürgermeister individuelle Änderungen für Einzellokale durchführen (was er auch macht, wenn die Notwendigkeit besteht).

Eine generelle Sperrstunde in Linz um 4:00 gibt es (lt. Aussage der Zuständigen) nicht. Aus diesem Grund ist von uns dzt. keine Änderung geplant, wir haben auch keine Anfragen diesbezüglich.

Susanne Wegscheider, ÖVP Linz:

Sie beziehen sich in Ihrer Anfrage auf Wien und der geplanten Öffnungszeit für Diskotheken und Clubs bis 6 Uhr. In Oberösterreich gibt es auf Landesebene die OÖ-Sperrstundenverordnung, wonach Kaffees, Bar, Diskotheken, etc. generell das Recht haben bis 4 Uhr geöffnet zu haben. In § 113 Gewerbeordnung wird den Gemeinden das Recht eingeräumt, frühere oder spätere Sperrzeiten individuell zu genehmigen.

Auf Grund meiner Anfrage an das Bezirksverwaltungsamt der Stadt Linz, kann ich Ihnen mitteilen, dass aktuell 23 Gastronomiebetriebe in Linz eine Ausnahmegenehmigung für eine spätere Sperrstunde als 4 Uhr haben!

In diesem Sinne ist Ihr Anliegen um eine spätere Sperrstunde in Linz bereits umgesetzt. Ich halte die bestehende Regelung, wonach Gemeinden abweichend von der generellen landesgesetzlichen Sperrstundenverordnung induviduell auf Grund der lokalen Gegebenheiten frühere oder spätere Sperrstunden festlegen können, für praxisgerecht und sinnvoll.

Nachstehend darf ich Ihnen noch die Bestimmungen des § 113 Gewerbeordnung übermitteln, in denen Gemeinden die Befugnis eingeräumt wird induviduell verlängerte oder verkürzte Öffnungszeiten zu genehmigen.

Zusammengefasst: ÖVP und SPÖ sind mit der derzeitigen Regelung zufrieden und sehen sich nicht veranlasst, eine Änderung anzuregen. Allerdings ist es kritisch zu hinterfragen, nach welchen Kriterien über eine verlängerte Sperrstunde entschieden wird. Ohne allgemein gültige Regeln klingt es stark nach Willkür, wer in Linz länger aufsperren darf. Daher ist es erfreulich, dass die beiden Oppositionsparteien Grüne und KPÖ die aktuelle Sperrstundenregelung kritisch sehen und eine Änderung zumindest diskutieren würden.

Ich persönliche bin jedenfalls für eine generelle Aufhebung der Sperrstunde nach dem Vorbild Englands und Deutschlands. Eine Liberalisierung wird nicht dazu führen, dass um 7:00 Uhr morgens noch grölende Herden betrunkener Menschen durch die Straßen ziehen werden. Ich bin mir natürlich bewusst, dass es durchaus immer wieder Probleme mit nächtlichen Randalen und Betrunkenen gibt. Aber ich glaube nicht, dass man all jene einschränken muss, die verantwortungsbewusst feiern können und tanzen möchten, nur weil ein paar Idioten über die Stränge schlagen. Muss unsere Gesellschaft wirklilch erwachsenen Menschen vorschreiben, wann die Party aus sein muss? So wie meist sind Probleme mit Verboten selten gelöst, sondern werden eher an den Rand unserer Wahrnehmung verschoben.

Wie seht ihr das, liebe Kulturinitiativen, Partygäste, KellnerInnen, DJs und VeranstalterInnen?

Zu Gast beim wütenden Teddy

Gestern Abend wurde ich von dem ebenso umtriebigen Daniel Friesenecker eingeladen, für seinen Podcast auf TheAngryTeddy.com eine viertel Stunde über die Open Commons Region Linz, Creative Commons, das CBA und Anonymous zu plaudern. Daniel ist Experte für Social Media, freier Medien Veteran und seine Homepage ist eine Fundgrube für Interessantes zu den Themen Social Media, Gadgets und Internetpolicies.

Lest mehr, hört rein, und abonniert euch den Podcast!

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Leistungsanalyse Stadtwache Linz: 130€ für einmal den Weg zum nächsten Klo zeigen

Nach dem ersten Jahr Stadtwache, auch euphemistisch Ordnungsdienst genannt, zieht die Stadt Linz stolz Bilanz: 7.678 dokumentierte Vorgänge! Das klingt doch auf den ersten Blick nach was, aber sehen wir uns das mal im Detail an:

Im Schnitt steht die Leistungsbilanz bei 21 Vorgängen pro Tag – wohlgemerkt ingesamt für alle 18 Bedienstete. Also 1,16 Vorgänge pro Tag pro StadtwächterIn. Anders ausgedrückt: Ein typischer, kompletter Tag der 18 Bediensteten der Linzer Stadtwache sieht so aus:

9 StadtwächterInnen geben jeweils einer Person die Auskunft, wo das nächste öffentliche Klo ist.

5 StadtwächterInnen bitten eine/n HundebesitzerIn, ihr Tier an die Leine zu nehmen.

3 StadtwächterInnen rufen die LinzAG an und melden, dass sie Müll auf der Straße gefunden haben.

1 StadtwächterIn vertreibt eine/n BettlerIn oder eine/n StraßenmusikerIn, überwacht den Anstand und die öffentliche Ordnung und den Jugendschutz.

Den ganzen Tag spazieren gehen und einmal Auskunft geben, das ist polemisch gesagt der statistische Durchschnittstag eines/einer MitarbeiterIn des Linzer Ordnungsdienst. Da mutet es ja fast ironisch an, dass jene Parteien, die die Stadtwache am stärksten unterstützen, so gerne mit der Leistungsgesellschaft hausieren gehen. Aber damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich fordere nicht, dass die Stadtwache öfter eingreifen soll, ich möchte im Gegenteil Argumente für die sofortige Auflösung aufzeigen.

Nun, wer denn jetzt in Linz spazieren geht und Auskunft gibt, das könnte mir ja relativ egal sein, würde die Stadtwache nicht aus öffentlicher Hand finanziert. Mit 18 MitarbeiterInnen hatte die Stadtwache ein Budget von 1.000.000,00 €, nach der erfolgten Aufstockung wird mit Kosten von 1.500.000,00 € gerechnet. Sehen wir uns also die Kostenanalyse des ersten Jahres an:

Wir sehen also, die Stadt Linz hat letztes Jahr 450.000 € investiert um mobile Infopunkte zu bezahlen – circa so viel, wie das ganze Theater Phoenix an Jahressubvention bekommt. Weitere 300.000 € wurden in Vorgänge im Zusammenhang mit Hunden investiert – drei mal so viel wie die Linzer Stadtwerkstatt an Subventionen erhält. 170.000 € um die Müllabfuhr anzurufen – damit könnte man die Subvention des Crossing Europe Filmfestivals vervierfachen. Ganze 40.000 € um das Bettelverbot durchzusetzen – hier wird also Geld investiert um arme Menschen zu vertreiben, statt ihnen mit diesem Geld zu helfen. 17.000 € kostet die Bekämpfung illegaler Straßenmusik – circa so viel wie letztes Jahr für zwei Kunstprojekte als Förderung zuerst zu, und dann auf Druck der FPÖ wieder abgesagt wurde.

Und rechnet man sich nun aus, wie viel also ein Einsatz der Stadtwache kostet kommt man auf den stolzen Preis von 130 €.

Die Linzer Stadtwache ist nicht nur ein Angstinstrument der ÖVP und FPÖ, die damit ihre verfehlte Sicherheitspolitik durchsetzen möchte, sie ist auch eine riesen Geldverschwendung. Ich wiederhole daher meine Forderung: Die Stadtwache soll sofort aufgelöst werden, das freiwerdende Budget in den Sozial- und Kulturbereich fließen!

Die Zustimmung zur Stadtwache ist im Sinkflug – in Onlineumfragen fordern schon 73% die sofortige Auflösung! Und ihr, liebe LinzerInnen, habt es in der Hand, denn in der gerade gestarteten BürgerInnenbefragung der Stadt Linz wird auch eure Meinung zur Stadtwache abgefragt. Ich hoffe, dass euch diese Analyse geholfen hat, ein Bild von der Sinnhaftigkeit der Stadtwache zu machen. Mehr Informationen und Argumente zur Stadtwache findet ihr unter http://www.stadtwachelinz.at

LINZimPULS 2012 – Von Revolutionen, dem Scheitern und vielen mehr

Es gibt wenige vergleichbar transparente Fördermodelle wie das LINZimPULS Förderprogramm. Wer bei den monatlichen Treffen des Offenes Forum Freie Szene teilnimmt, konnte dort seinen/ihren eigenen Themenvorschlag einbringen, über die vierzehn Themenvorschläge gab es ein öffentlich einsehbares Voting. Daraus haben sich fünf besonders spannende Themen kristallisiert, über die nächste Woche am Donnerstag, dem 13.10. um 20:00 Uhr in der KAPU eine öffentliche Diskussion stattfinden wird. Fix dabei sind jene fünf, von denen die ursprünglichen Themenvorschläge kamen: Thomas Philipp, Michael ‚Lupo‘ Schweiger, Harald ‚Huckey‘ Renner, Wolfgang ‚Fadi‘ Dorninger und ich, moderieren wird Nicole Honeck. Also kommt hin und mischt euch ein! Im Anschluß an die Diskussion wird über die Kartell-Mailingliste zum Voting aufgerufen werden – wer sich als Freie Szene Mitglied sieht und in die Liste will, kann sich gerne bei mir melden.

FB-Event: http://www.facebook.com/event.php?eid=214816688584787

Folgende Vorschläge stehen zur Disposition:

  • „Zocken, Gamblen, Abziehen“ oder die gemeine Leicht(gläub)igkeit des (Neo-)Liberalismus (Michael ‚Lupo‘ Schweiger)
  • Widerstand (neu) erlernen: LastOftheLongLostLeftOvers (Harald ‚Huckey‘ Renner)
  • Schöner Scheitern (Thomas Philipp)
  • Kein Thema (Wolfgang ‚Fadi‘ Dorninger)
  • Empöret euch? (Thomas Diesenreiter)

Detailtexte zu allen fünf Vorschlägen findet ihr in diesem PDF, egomanerweise kopier ich hier nur meinen Text rein:

Empöret euch?

Ob arabischer Frühling, Occupy Wallstreet oder der Erfolg des gleichnamigen Buches des Franzosen Stephane Hessel: „Empöret euch!“ schallt es von allen Ecken der Welt! In Österreich schüttelt man darüber nur verwundert den Kopf, ist doch das Empören und Wirtshausgranteln seit ehedem ein Grundzug des österreichischen Charakters. Doch wenn die Empörung nur der Entladung des eigenen Frusts dient, also konsequenzenlos bleibt, so werden „die da oben“, um im Wirtshausjargon zu bleiben, weiter fest im Sattel sitzen. Folgerichtig fordert Stefan Haslinger in der aktuellen Ausgabe der KUPF-Zeitung: Empört euch nicht, sondern handelt!

Doch wie kann dieses Handeln aussehen? Was haben wir von den Revolutionen des heurigen Jahres gelernt – und lässt sich das überhaupt auf unser Land übertragen? Sind wir, im Sinne einer breiteren Masse, überhaupt schon revolutionsreif? Und wenn wir es nicht schaffen, zu 100.000en den Wiener Finanzdistrikt oder die Linzer Raiffeisenzentrale zu besetzen, wie kann unser Beitrag zum weltweiten Umbruch aussehen?

LINZimPULS 2012 ruft daher auf, Projekte und Ideen einzureichen, die die kollektive Empörung in konkretes Handeln übersetzen. Ob subversive Messen oder Handlungsanleitungen zum zivilen Ungehorsam, ob Aktionismus oder Haus-Besetzungen, ob Protesttafelmal- oder Hungerstreik-Workshops, es werden radikale, kreative, künstlerische, demokratische Ansätze für die Revolution im Kleinen und Großen gesucht. Raus aus den Denkfabriken, rauf auf die Straße! Raus aus den bequemen Kulturszenen, rein in die Öffentlichkeit!