Warum die 1G Regel vertretbar ist

Das Thema wird im Kulturbereich durchaus kontrovers diskutiert. Ich sehe das persönlich pragmatisch und habe kein Problem mit der 1G Regelung im Veranstaltungsbereich, wenn die dazu nötigen Begleitmaßnahmen kommen, um den betroffenen Kunst- und Kultursektor finanziell zu unterstützen (Siehe Stellungnahme der KUPF OÖ -> https://kupf.at/presseaussendungen/kupf-ooe-zu-1g-regelung/)

Noch lieber wäre mir eine allgemeine Impflicht. Die ist offenbar leider in Österreich nicht umsetzbar. Die 1G Regelung scheint aber mehrheitsfähig zu sein. Sie bedeutet für die Mehrheit der Bevölkerung keine Änderung, weil sie eh schon geimpft sind. Ich fürchte, dass es nicht anders gehen wird, als das man die restlichen 20-30%, die noch impfbar wären, aber noch nicht geimpft sind, mit 1G und anderen Maßnahmen Stück für Stück dazu bringt, sich zu impfen. Wenn die Impfquote nicht hochgeht, droht sonst ein kompletter Lockdown im Winter, der uns alle viel härter treffen würde.

Warum soll ich als Geimpfter und die Mehrheit der Bevölkerung ihre Freiheit einschränken, weil eine Minderheit auf ihre gesellschaftliche Verantwortung pfeift? Wir haben eine Vielzahl an gesellschaftlichen Regeln, die uns als Individuen zu gewissen Handlungen verpflichten, die wir alle akzeptieren. Wir diskutieren ja auch nicht die Sinnhaftigkeit von Geschwindigkeitsgrenzen im Straßenverkehr.

Die Impfung hat wie kaum eine andere Handlung so wenig negative Konsequenzen für das Individuum und so großen Nutzen für die Allgemeinheit. Gerade wir als Vertreter gemeinnütziger Initiativen sollten bei dieser Frage Position für den Gemeinnutz beziehen und nicht einem falschen Freiheitsdiskurs aufsitzen, wie er von manchen (ehemaligen?) Linken geführt wird.

Es gibt auch im zeitgenösschen Kulturbereich Menschen, die die Impfung ablehnen. Leider sind ebenso in unserer Szene nicht wenige Personen in den letzten beiden Jahren abgedriftet und stehen auf einmal auf Seite der Verschwörungstheoretiker, Antisemiten und Rechtsextremen. Ich kann das weder logisch noch emotional nachvollziehen, wie man diesen Weg einschlagen kann. Aber die Realität ist, dass diese Strömung auch in unserer Szene anschlussfähig ist. Aber wie damit umgehen?

Gute Frage. Ich glaube, dass es keinen Sinn macht, aus Rücksicht auf diese Szene Maßnahmen wie 1G oder eine Impfpflicht nicht zu setzen. Auch die Warnung vor einer gesellschaftlichen Spaltung durch solche Maßnahmen halte ich für abstrus: Diese Spaltung existiert sowieso schon, und egal was man macht, die VerschwörungstheoretikerInnen werden sich nicht überzeugen lassen.

Wir haben es jetzt lange mit gutem Zureden versucht. Und stehen offensichtlich an. Die Impfrate stagniert, wir liegen bereits unter dem EU Schnitt. Wir dürfen uns von einer extremistischen Anti-Impfminderheit nicht in Geiselhaft nehmen lassen. 1G ist in meinen Augen daher ein gelindes und zulässiges Mittel, um die Impfbereitschaft zu erhöhen. Und wer weiß, vielleicht erkennen manche, die sich dann doch impfen lassen und nicht tot umfallen, dass sie hier lange Zeit Scharlatanen aufgessesen sind.

Ein Gedanke zu „Warum die 1G Regel vertretbar ist

  1. Lieber Thomas, leider kann ich deiner Argumentation nicht folgen. Die Mehrheit über die Minderheit drüberfahren zu lassen klingt schon sehr nach illiberaler Demokratie. Und Menschen die sich um eine differenzierte Sichtweise und die Achtung von Minderheitenmeinungen bemühen in das Eck von Verschwörungstheoretiker_innen zu rücken passt auch in dieses Bild. Natürlich weiß ich, dass du niemals einer illiberalen Demokratie das Wort reden würdest. Aber im konkreten Fall fürchte ich, dass du dich in deiner Sorge und Fürsorge um die Freie Szene zu einem zu lockeren Umgang mit Grund-, Freiheits- und Minderheitenrechten hast verleiten lassen. Und dass dissidente Meinungen in der Freien Szene Platz haben halte ich nicht für befremdlich sondern für ein Qualitätsmerkmal (und überdies sehr unterhaltsam).
    Ich achte deine Bemühungen weiteren Schaden von Kulturvereinen abzuhalten, aber das Bekenntnis zu Diversität und Achtung vor Minderheitenmeinungen (auch wenn sie einem selbst sehr schräg vorkommen) steht dann auf dem Prüfstand, wenn man selbst daraus Nachteile erfährt. Wenn man dazu nicht bereit ist verliert man seine Glaubwürdigkeit.
    Kurz: Mit einer G1 – Regel kann ich gut leben – auch weil sich damit die Spreu (derer denen es ernst ist) vom Weizen (derer die nur herummaulen) trennt. Auf den restlichen Diffamierungs-Klim-Bim solltest du aber verzichten.
    Selbst (natürlich) geimpft, möchte ich doch all jenen die sich dagegen entscheiden mit Achtung begegnen. Denn – auch wenn es vollkommen abstrus erscheint – in ganz seltenen Ausnahmefälle könnte es doch sein, das die anderen recht haben. LG

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