Rettet das Salzamt!

Die Stadt Linz überlegt, das Atelierhaus Salzamt zu schließen. Ich halte das aus den folgenden Gründen für eine sehr schlechte Idee:

  1. Das Salzamt ist eine der wenigen öffentlichen Kultureinrichtungen in Linz, die zielgerichtet jungen KünstlerInnen die Chance gibt zu arbeiten und sich zu präsentieren. Viele der NutzerInnen sind AbsolventInnen der Kunstuniversität, die nach dem Abschluss im Salzamt in die professionelle Kunstwelt starten konnten.
  2. Mit seinen internationalen Austauschprogrammen eröffnet das Salzamt die lokale Kunst- und Kulturszene internationale Netzwerke. Diese Internationalität ist etwas, die von der Szene übrigens auch immer wieder gefordert wird.
  3. Die Schließung des Salzamts steht in krassem Widerspruch zum Linzer Kulturentwicklungsplan, der erst vor wenigen Jahren beschlossen wurde. Darin wird dem Salzamt an vielen Stellen eine strategische Rolle für die Umsetzung zugesprochen. Wie sollen die Vorhaben im Kulturentwicklungsplan dann umgesetzt werden? Entweder werden sie ganz fallen gelassen, oder die Projekte werden woanders umgesetzt, nur wäre dann ja wieder kein Spareffekt gegeben.
  4. Die Stadt Linz ist seit kurzem City of Media Arts, und das Salzamt ist eines der wenigen öffentlichen Institutionen, die sich mit Medienkunst beschäftigte. Es ist ja eh schön, dass wir die Valie Export mit dem Vorlassankauf ehren – aber wo sollen denn bitte die Valie Exports von morgen herkommen, wenn man die kulturelle Infrastruktur aufgibt?
    Salzamt. Foto CreArt. Red de Ciudades por la Creación Artística
  5. Man wirft damit sorglos ein jahrelang mühsam aufgebautes Projekt mit gutem Image weg. Holger Jagersberger und sein Team haben hier über viele Jahre sehr gute Arbeit geleistet, die auch im aktuellen Diskurs leider wenig Würdigung findet.
  6. Das Salzamt hat besonders auch Frauen ermöglicht, ihre künstlerische Karriere voranzubringen. Darauf hat die Stadt Linz im KEP stolz verwiesen – zu recht. Das ist in dem noch immer oft männderdominierten Feld ein wichtiger Faktor, der nicht vergessen werden sollte.
  7. Es wäre eine Geldverschwendung. Die Stadt Linz hat das Gebäude im Jahr 2005 für 650.000 € gekauft und dann bis 2009 für 4.000.000 € generalsaniert und für die jetztige Nutzung ausgestattet. Diese Investitionen nach so kurzer Zeit wieder aufzugeben ist ökonomisch fragwürdig.
  8. Der Zuschussbedarf des Salzamts liegt bei derzeit etwa 240.000 € pro Jahr, davon gehen aber auch nochmal 70.000 € als Miete an die stadteigene ILG. Es geht also um ein Einsparpotential von 170.000 € pro Jahr. Zur Erinnerung: Die Stadtwache Linz kostet uns heuer 1.400.000 € (Strafzettel und Miete könnte man noch gegenrechnen).

Fazit: Liebe Politik, bitte schließt das Salzamt nicht. Bitte reißt keine schwere Lücke in die eh schon angeschlagene Kulturstadt Linz.

PS: Die Schließung von Bibliotheken am Stadtrand halte ich aus bildungspolitischer Sicht übrigens für einen genauso großen Fehler.

salzamt-eroeffnung-geheime-dimension

Ergänzung: Mittlerweile hat sich ein breites Spektrum der Gesellschaft gegen die Schließung des Salzamts ausgesprochen. Eine Übersicht dazu findet ihr auf der Website der KUPF OÖ.

4 Gedanken zu „Rettet das Salzamt!

  1. Ich bin schockiert! Im letzten Jahr habe ich eine sehr gute Zeit in Linz als Austausch-Stipendiatin im Salzamt verbracht. Die hervorragenden Arbeitsbedingungen im Salzamt zu genießen, „alte“ und zeitgenössische Kunst in Linz und Umgebung gleichermaßen zu erleben, der Geschichte der Stadt und Oberösterreichs zu begegnen, war sehr inspirierend für mich. Ich werde den Verantwortlichen einen Brief schreiben – ganz sicher! Mit sehr herzlichen Grüßen aus Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland von Kerstin Borchardt

  2. Bürgermeister Klaus Luger
    Altes Rathaus, Zi.Nr. 101
    Hauptplatz 1
    4041 Linz
    E-Mail: klaus.luger@mag.linz.at

    Sehr geehrter Herr Bürgermeister Klaus Luger

    Mit Verwunderung und Bestürzung habe ich (international tätige bildende Künstlerin, Dozentin) in der Schweiz vom in Erwähnung gezogenen Vorhaben erfahren, das Atelierhaus Salzamt trotz dessen internationaler Ausstrahlung und professionellen Führung, Ende Jahr schliessen zu wollen.

    Anlässlich meines Arbeitsaufenthaltes im Atelierhaus habe ich das Salzamt als höchst professionelle Kunstinstitution erlebt.
    Auf intelligente Weise schafft es das Salzamt-Team mit Holger Jagersberger künstlerische lokale Positionen mit internationalen Impulsen zu verbinden und engagiert sich für eine nachhaltige Förderung der Kunstszene in Linz und der städtischen Kulturwirtschaft.

    City of Media Arts und Friedensstadt sind nur zwei Stichworte, welche dafür sprechen, zukünftig eher mehr als weniger Mittel in das Salzhaus zu investieren.

    Hingegen ist ein Abbau dessen, was da aufgebaut wurde verheerend. In dieser Kurzfristigkeit können weder Ziele evaluiert, noch Strategien entwickelt werden, eine zwingend notwendige Planung wird verhindert.

    Als international und kulturpolitisch tätige Künstlerin weiss ich zudem, dass niemand mit einer Schliessung einer derartig aufgestellten Institution effektiv spart – im Gegenteil. Was vordergründig als Sparen daherkommt, ist Ressourcen Verschwendung, ist nachhaltiger Abbau und kostet mehr als vermeintlich eingespart wird. Die Umsetzung des Schliessungs-Vorhabens schadet der touristischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt nachhaltig.

    Der Austausch auf internationaler Ebene ist in der bildenden Kunst zwingend um Wettbewerbsfähig zu bleiben.

    Professionals schaffen und bringen zudem Innovation für die Stadt, welche sich mehr als rechnet. Zudem ist heute aufgrund unabhängiger Studien bekannt, dass jeder in Kunst und Kultur investierte Euro sich oekonomisch (teilweise indirekt) verdreifacht.

    Ich bitte Sie für Ihre Stadt klug zu handeln und sich für einen sofortigen und
    vehementen Stopp der Salzamt-Schliessungspläne einzusetzen!

    Mit besten Grüssen
    Sibylle Völkin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.